{"id":991,"date":"2020-06-27T09:00:10","date_gmt":"2020-06-27T09:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/?p=991"},"modified":"2020-11-14T22:39:04","modified_gmt":"2020-11-14T22:39:04","slug":"svetlina-stoyanova-deutsche-version","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/?p=991","title":{"rendered":"Svetlina Stoyanova ~ Mezzosopran"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><em>Die bulgarische Mezzosopranistin Svetlina Stoyanova ist Solistin an der Wiener Staatsoper, wo sie in Rollen wie Rosina (Il barbiere di Siviglia), Cherubino (Le nozze di Figaro), Ro\u00dfweis\u00dfe (Die Walk\u00fcre), Tisbe (La Cenerentola) und Lola (Cavalleria Rusticana) aufgetreten ist.<\/em><\/p>\n<p><em>2017, noch w\u00e4hrend ihres Studiums am Royal Conservatoire of Scotland, gewann Svetlina Stoyanova den 1. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb Neue Stimmen. Nach ihrem Erfolg wurde sie an viele Opernh\u00e4user eingeladen, unter anderem an die Op\u00e9ra de Nice C\u00f4te d&#8217;Azur und zu den Bregenzer Festspielen. Nach der Spielzeit 2019-2020 verl\u00e4sst sie die Wiener Staatsoper, um sich freiberuflich zu bet\u00e4tigen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Deutsche \u00dcbersetzung von Sonja B\u00fchling<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"6200\" height=\"4133\" src=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/\u00a9BenjaminEalovega-_-Independent-Opera.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-988\"\/><figcaption>Photo \u00a9Benjamin Ealovega&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><\/p><p><strong>Auf der B\u00fchne m\u00f6chte ich Menschen helfen, indem ich sie auf eine Reise mitnehme und sie diese Emotion mit mir empfinden lasse. F\u00fcr mich ist es das Wichtigste, aufrichtig zu sein und in der Rolle zu sein<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bitte beschreib dein Hot Toddy in drei Worten!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stark, w\u00fcrzig und herzerw\u00e4rmend.<\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn du mit einer ber\u00fchmten Person aus der Geschichte essen k\u00f6nntest, wer w\u00e4re das?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Person, die mir in den Sinn kommt, ist Maria Callas. Es w\u00fcrde mich interessieren, wie bodenst\u00e4ndig sie war. Oder vielleicht jemand wie Juri Gagarin, Neil Armstrong oder Neil deGrasse Tyson! Mit ihnen k\u00f6nnte ich tagelang \u00fcber den Kosmos sprechen, das w\u00e4re so interessant!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hast du eine Lieblingsoper?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Singen ist im Moment meine neue Lieblingsoper Rossinis <em>L&#8217;Italiana in Algeri<\/em>. Ich liebe die Figur der Isabella und ich liebe die Musik. Der Spa\u00df h\u00f6rt nie auf, und ich denke, die Leute m\u00f6gen es deshalb sehr. Zum Zuh\u00f6ren liebe ich jeden Massenet, und seit kurzem h\u00f6re ich auch gerne Wagner. Es ist schwerm\u00fctiger, aber ich habe es wirklich genossen zuzuh\u00f6ren. Mein erster Wagner war <em>Die Walk\u00fcre<\/em>. Wenn man das Leitmotiv h\u00f6rt, f\u00fcllt es einen mit so viel Energie!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lieblingskomponist?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich werde sehr bald einige von Bergs <em>Sieben fr\u00fche Lieder<\/em> singen, und ich muss sagen, dass diese Lieder tief in meine Seele eingedrungen sind &#8211; ich liebe es, sie zu singen. Auch Mahler, Tschaikowsky, Rossini und H\u00e4ndel. Da habe ich dir jetzt viele Namen genannt! Aber ich kehre auch immer wieder zum Barock zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es scheint, dass mein Lieblingskomponist immer der ist, an dem ich gerade arbeite, und egal, wie oft ich etwas gesungen habe, ich versuche immer, etwas Neues zu finden, etwas, um es lebendig und interessant zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"616\" height=\"872\" src=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1000\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581.jpg 616w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581-400x566.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581-430x609.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581-150x212.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0581-100x142.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><figcaption>Svetlina Stoyanova als Rosina in der Inszenierung von <em>Il barbiere di Siviglia<\/em> an der Wiener Staatsoper. Foto von Michael Pohn.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Was hast du \u00fcber das Singen und Auftreten gelernt, seit du an der Wiener Staatsoper singst?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kam hierher wie ein fast leerer Schwamm, und meine Idee war, alles aufzusaugen, so viel wie nur irgend m\u00f6glich. Ich traf so viele der gro\u00dfen Stars. Das sind alles ganz normale Menschen. K\u00fcrzlich habe ich Erwin Schrott angeschrieben, um ihn nach einem Bauernhof zu fragen, auf dem er Obst und Gem\u00fcse bestellt. Ich traf Joyce Di Donato, die schon lange ein Idol von mir ist und einer der freundlichsten Menschen ist, denen ich je begegnet bin &#8211; damals sang ich gerade Cherubino und sie erz\u00e4hlte mir von ihrem ersten Cherubino!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe <em>Cavalleria Rusticana<\/em> mit El\u012bna Garan\u010da gesungen, und es war eine ganz besondere Darbietung, denn als sie in meinem Alter war, sang sie in Wien ihre erste Lola. Jetzt sang sie ihre allererste Santuzza, und ich sang meine erste Lola, es war also ein ganz besonderer Moment f\u00fcr sie, und es stellte sich heraus, dass es auch f\u00fcr mich etwas ganz Besonderes war. Ich habe ein paarmal mit Juan Diego Florez gesungen, zuletzt in Manon, und ich hoffe wirklich, dass ich eines Tages mit ihm Rossini singen werden kann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe nicht ver\u00e4ndert, wer ich bin &#8211; ich war immer ein ziemlich offener Mensch, und ich glaube, die Leute haben das gesch\u00e4tzt. Ich habe viel mehr \u00fcber Stil, \u00fcber Komponisten gelernt, denn wenn man von einem Konservatorium kommt, hat man nicht viel Erfahrung; so einfach ist das.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ja, man wei\u00df es in der Theorie und ein bisschen auch in der Praxis, aber es ist so anders, besonders wenn man in einem so gesch\u00e4ftigen Haus wie der Wiener Staatsoper ist. Hier arbeiten wir mit unglaublichen Coaches und Regisseuren, die so viel Erfahrung haben. Das Leben ist eine unendliche Reise des Lernens, solange man daf\u00fcr offen ist!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe auch gelernt, wie die Opernwelt in Bezug auf Agenten funktioniert, wie wichtig die Verbindungen sind, die man zu den Dirigenten herstellt, und wie wichtig es ist, gute Rollen f\u00fcr seine Stimme auszusuchen, seine Stimme zu erhalten und sie jederzeit gesund zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Was ist wichtig f\u00fcr dich, wenn du auftrittst?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin nach Schottland gezogen, um Psychologie zu studieren, und mein Wunsch war es immer, Menschen zu helfen. Auf der B\u00fchne m\u00f6chte ich Menschen helfen, indem ich sie auf eine Reise mitnehme und sie diese Emotion mit mir empfinden lasse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es das Wichtigste, aufrichtig zu sein und in der Rolle zu sein, aber auch, niemand anderen zu kopieren. Ja, ich habe diese gro\u00dfen Namen und all diese anderen unglaublichen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger gesehen, aber ich will nicht kopieren, was sie tun, weil jeder so anders ist, und ich denke, es ist sehr wichtig, sich selbst in die Figur einzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hast du dich bei der Arbeit an einem so ber\u00fchmten Opernhaus schon einmal unter Druck gesetzt gef\u00fchlt?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist man nerv\u00f6s und f\u00fchlt sich unter Druck: besonders unter Zeitdruck, Rollen zu lernen. Als ich hierher gekommen bin, kannte ich gerade mal zwei Rollen, und jetzt kenne ich nach anderthalb Spielzeiten \u00fcber 30. St\u00e4ndig hei\u00dft es &#8220;los, los, los!\u201c Man singt viel und man fungiert sehr oft als Cover, man ist also nonstop im Einsatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist ziemlicher Druck, aber wenn man damit umgehen kann, ist es eine unglaubliche Erfahrung. Wann immer ich aus irgendeinem Grund Probleme habe, dann kann ich stets zu den Leuten im Management gehen und mit ihnen reden, und sie haben Verst\u00e4ndnis, wenn meine Anliegen berechtigt sind. Ich finde immer auf irgendeine Weise eine L\u00f6sung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Beispiel sang ich zu Beginn dieser Saison meine erste Rosina im Haus. Eines der ersten Dinge, die ich singe, ist <em>Una voce poco fa<\/em>. In dieser Inszenierung sitze ich auf einem Stuhl und die Wand wird in der Einleitung hochgefahren, so dass ich wusste, dass mein Herz schnell schlagen w\u00fcrde, bevor ich sang, wegen der Nerven und des Adrenalins.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um mich darauf vorzubereiten, lief ich vor einem Coaching die Treppe des Theaters hinauf, so dass mein Herz schneller schlug, und ich ging in das Coaching und sang die Arie. Das funktionierte! Ich habe mir selbst beigebracht, wie ich mein Herz sehr schnell beruhigen konnte, kurz bevor ich zu singen begann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ist dir bei der Arbeit in \u00d6sterreich im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern etwas Besonderes aufgefallen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe in Frankreich, Deutschland und Spanien gearbeitet, und im Allgemeinen sind die Dinge mehr oder weniger \u00e4hnlich. Vielleicht war dort alles etwas ruhiger, aber ich bin in Wien fest angestellt und habe hier nur Wiederaufnahmen gemacht. Um auf mein Beispiel von <em>Il barbiere di Siviglia<\/em> zur\u00fcckzukommen &#8211; wir hatten f\u00fcnf Tage Zeit, uns vorzubereiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tag 1 war die musikalische Probe: nur der Pianist, der Dirigent und wir. Dann hatten wir noch drei weitere Tage mit Proben in einem Studio, am f\u00fcnften Tag liefen wir durch die Oper, und am sechsten Tag standen wir auf der B\u00fchne. Wir bekamen weder Proben mit dem Orchester noch Proben auf der B\u00fchne, also sah ich die B\u00fchne erst zwei Stunden vor der Auff\u00fchrung und das Orchester, zu Beginn der Vorstellung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist wahrscheinlich eine Art und Weise, in der sich dieses Haus von allen anderen unterscheidet. Soweit ich wei\u00df, ist Wien das einzige Haus, in dem man nicht auf der B\u00fchne oder mit dem Orchester probt. W\u00e4hrend meiner zwei Spielzeiten hatte ich 2 Sitzproben<sup>1<\/sup>, 1 &#8216;B\u00fchne und Klavier&#8217;-Probe und 1 &#8216;B\u00fchne und Orchester&#8217;-Probe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"972\" height=\"878\" src=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1001\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582.jpg 972w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-300x271.jpg 300w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-768x694.jpg 768w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-750x677.jpg 750w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-400x361.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-430x388.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-150x135.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0582-100x90.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 972px) 100vw, 972px\" \/><figcaption>Svetlina Stoyanova als Cherubino in der Inszenierung von <em>Le Nozze di Figaro<\/em> an der Op\u00e9ra de Nice C\u00f4te d&#8217;Azur. Foto von Daniel Benoin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Ich kam wie ein fast leerer Schwamm [nach Wien], und meine Idee war, alles aufzusaugen, so viel wie nur irgend m\u00f6glich. Das Leben ist eine unendliche Reise des Lernens, solange man daf\u00fcr offen ist!<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie lernst du die Rollen so schnell?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, man lernt wie ein Verr\u00fcckter, und man lernt sie einfach! Es ist Einstellungssache, man muss sich die Zeit und die Energie gut einteilen. Sie wissen, wer mehr Coachings braucht und wer nicht, also passen sie das an. Wenn du um ein Coaching bittest, dann werden sie es dir geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie fandest du es, festangestellt gewesen zu sein?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich waren diese zwei Jahre festangestellt unglaublich, und ich brauchte sie nicht nur, um mir Repertoire anzueignen, sondern auch, um diese Welt kennen zu lernen, Menschen zu treffen und zu erfahren, wie alles ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, dass es riskant gewesen w\u00e4re, mich sofort freiberuflich zu bet\u00e4tigen, als ich noch nicht wusste, wie diese Welt funktioniert und noch keine Beziehungen hatte. Deshalb fand ich, dass zwei Jahre f\u00fcr mich die perfekte Zeitspanne waren. Von jetzt an werde ich freiberuflich t\u00e4tig sein, und es ist gro\u00dfartig f\u00fcr mich, weiterzumachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie ist es f\u00fcr Dich jetzt, freiberuflich t\u00e4tig zu sein?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist sehr be\u00e4ngstigend, und ich glaube, wegen des Coronavirus ist es jetzt noch be\u00e4ngstigender. Ich bin so gl\u00fccklich, dass ich mein Deb\u00fct mit Angelina beim New Generation Festival in Florenz singen werde, und da es Open Air ist, findet die Produktion statt. Ich bin auch hoffnungsvoll, dass meine Pl\u00e4ne f\u00fcr den Herbst mit Konzerten in Tokio ebenfalls wie geplant verwirklicht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich wei\u00df, dass die ersten anderthalb Jahre im Allgemeinen recht schwierig sein k\u00f6nnen. Ich bin mir dessen bewusst, aber ich habe auch gesehen, dass ich in den vergangenen zwei Spielzeiten viele Angebote hatte, die ich nicht annehmen konnte, denn hier festangestellt zu sein, bedeutet, dass man st\u00e4ndig im Haus besch\u00e4ftigt ist und nur sehr selten Zeit zum Gastieren hat. Wir haben so viele Opern im Programm, und alle arbeiten die ganze Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es nie genug Beziehungen, die man als junger Darsteller haben kann, und wenn man keine Leute kennt, ist es riskant. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, einen guten Agenten zu haben, dem man vertrauen kann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wir lernten uns w\u00e4hrend unseres Studiums im Opernkurs am Royal Conservatoire of Scotland in Glasgow kennen. Wie hast du die Studienzeit in Schottland empfunden, und hattest du das Gef\u00fchl, dass dir bei dem, was du dort gelernt hast, irgendetwas gefehlt hat?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Opernkurs am Royal Conservatoire of Scotland war wirklich gro\u00dfartig und beinhaltete viel. Zuerst bin ich nach Schottland gezogen, um an der Universit\u00e4t Glasgow Psychologie zu studieren, aber dank der \u00dcberredungskunst und der Tatsache, dass Professor Christopher Underwood fest an mich geglaubt hat, wechselte ich zum Studium ans Royal Conservatoire of Scotland, was einer der Gr\u00fcnde ist, warum ich so lange in Schottland war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuvor hatte ich noch nie Gesang studiert, und ich brauchte die Zeit daf\u00fcr. Ich blieb auch wegen meiner Lehrerin, Clare Shearer. Ich spreche auch jetzt noch ab und zu mit ihr, und hin und wieder singe ich noch f\u00fcr sie &#8211; man kann immer noch mehr von seinen Lehrern lernen, wenn man wei\u00df, dass man einen guten hat!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube fest daran, dass das UK sich dem Rest der Welt \u00f6ffnen und zeigen sollte, was es sonst noch gibt. Ich verstehe, dass sie dieDinge im Vereinigten K\u00f6nigreich behalten wollen, aber es ist ein internationales Konservatorium, und Musik ist ein internationaler Beruf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was jetzt mit Brexit passieren wird, aber die Leute m\u00fcssen trotzdem wissen, dass es da drau\u00dfen viele Opernstudios gibt. Sie sollten mehr Leute aus diesen Orten einladen, um Vortr\u00e4ge zu halten und Karriereberatung zu geben, wie man zum Beispiel einen Agenten findet. Das hat uns nie jemand gesagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eines der vielen Dinge, bei denen mir der Direktor der Wiener Staatsoper und jetzt der Scala, Dominique Meyer, geholfen hatte, war, eine gute Agentur zu finden. Meine Agenten erhalten st\u00e4ndig E-Mails mit Videos von K\u00fcnstlern. Man muss wissen, wie man diese Agenten wirklich erreicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"704\" height=\"996\" src=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1002\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583.jpg 704w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583-400x566.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583-430x608.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583-150x212.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_0583-100x141.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px\" \/><figcaption>Svetlina Stoyanova in der Inszenierung von Richard Wagners <em>Die Walk\u00fcre<\/em> an der Wiener Staatsoper, mit Fiona Jopson als Helwige und Anna Gabler als Ortlinde. Foto von Michael Pohn.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Mein Ziel war, wenn ich die erste Runde \u00fcberstehe, w\u00fcrde mich vielleicht jemand h\u00f6ren oder m\u00f6gen und ich w\u00fcrde einige Verbindungen herstellen. Bis sie am Ende meinen Namen sagten, h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass ich gewonnen habe! Die Tatsache, dass ich bereits im Finale stand, war ein unglaublicher Sieg f\u00fcr mich, und ich habe es genossen, mit dem Orchester zu singen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie war der Wettbewerb Neue Stimmen f\u00fcr dich und w\u00fcrdest du den Wettbewerbsweg anderen S\u00e4ngern empfehlen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf jeden Fall! Wenn ihr die Nerven habt, dann macht unbedingt Wettk\u00e4mpfe! Man sollte nicht mit dem Gedanken \u201eIch muss gewinnen!\u201c hingehen. Am besten ist es, die Absicht zu haben, dass man Freundschaften schlie\u00dfen will, aufzutreten und Erfahrungen zu sammeln. Das Erste, was ich tat, als ich zum Wettbewerb ging, war, Freundschaften zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich holte mir von den anderen Leuten dort so viele Informationen wie m\u00f6glich ein. Mein Ziel war, wenn ich die erste Runde \u00fcberstehe, w\u00fcrde mich vielleicht jemand h\u00f6ren oder m\u00f6gen und ich w\u00fcrde einige Verbindungen herstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis sie am Ende meinen Namen sagten, h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass ich gewonnen habe! Die Tatsache, dass ich bereits im Finale stand, war ein unglaublicher Sieg f\u00fcr mich, und ich habe es genossen, mit dem Orchester zu singen. Bis dahin hatte ich kaum mit Orchester gesungen, und es war toll, die Unterst\u00fctzung zu haben, die man von ihnen bekommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde auch sagen: Geht zu Wettbewerben, von denen man wei\u00df, dass sie etabliert sind, und schaut euch die Jurymitglieder an. Wenn man Dominique Meyer bei einem Wettbewerb sieht, bedeutet das, dass es ein guter Wettbewerb ist. Ich w\u00fcrde den Wettbewerb Neue Stimmen auf jeden Fall empfehlen, weil sie wirklich Karrieren schaffen, und sie sind auch so nett und so hilfreich bei jeder einzelnen Sache. Sie k\u00fcmmern sich um jeden, der da ist, und sie sind sehr fair.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Es muss ein erstaunlicher Moment gewesen sein, als du gewonnen hast. Gab es in der Folge irgendwelche Herausforderungen<\/em><em>?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich konnte es zuerst wirklich nicht glauben, dass ich diesen gro\u00dfen Wettbewerb gewonnen hatte! Es war sowieso eine verr\u00fcckte Zeit f\u00fcr mich, da ich auch noch kurz vor meiner Hochzeit stand. Wir heirateten an einem Freitag, und am darauffolgenden Mittwoch reiste ich zum Vorsingen in die Schweiz. Viele Intendanten, die mich im Wettbewerb geh\u00f6rt hatten, wollten mich an einem ihrer Opernh\u00e4user singen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich verwendete das Geld vom Gewinn des Wettbewerbs, um diese Vorsingen zu bezahlen. Das ist oft ein Problem \u2013 wenn man Vorsingen hat, dass es einem auch finanziell m\u00f6glich ist, dorthin zu reisen und die Reise und das Hotel zu bezahlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde den S\u00e4ngern abraten, am Morgen des Vorsingens erst hinzureisen. Ich habe das schon ziemlich oft gemacht, und es ist nicht klug, weil man nicht sein Bestes geben kann. Man ist einfach m\u00fcde, auch wenn man sich nicht m\u00fcde f\u00fchlt, es ist einfach nicht die beste Situation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man sollte versuchen, gut zu schlafen, sich richtig vorzubereiten und sich mit Fl\u00fcssigkeit zu versorgen. Dies k\u00f6nnte ein zuk\u00fcnftiger Job sein. Bei Vorsingen kann man sehr leicht vergessen werden, wenn es f\u00fcr einen nichts gibt. Selbst wenn man einen guten Eindruck macht, liegt es an der Agentur, sie dann daran zu erinnern, wer du bist. Es gibt so viele Leute, und ich habe schon geh\u00f6rt, dass sich die Leute an ein schlechtes, aber nicht an ein gutes Vorsingen erinnern. Das ist so traurig!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hast du einen allgemeinen Ratschlag f\u00fcr alle, die Gesang studieren?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lernt Repertoire, damit man nicht in eineinhalb Spielzeiten drei\u00dfig Rollen lernen muss! Nat\u00fcrlich besteht die Gefahr, wenn man dann anf\u00e4ngt zu viel zu singen, denn w\u00e4hrend man noch studiert, ist die Technik nicht unbedingt 100%ig und die Stimme ver\u00e4ndert und verbessert sich immer wieder. Wenn man wei\u00df, wo die Stimme aktuell ist und wohin sie geht, kann man Rollen studieren, ohne sie zu singen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Macht \u00dcbersetzungen: Lernt den Text zu sprechen, denn das wird so hilfreich sein. Versucht m\u00f6glicherweise auch, die Musik in den Kopf bekommen. Aber \u00fcbertreibt es nicht, denn etwas mit einer besseren Technik neu lernen zu m\u00fcssen, ist viel schwieriger, als es von Anfang an zu lernen. Ich habe zum Beispiel Arien wie <em>Una Voce<\/em>, die ich so sehr \u00fcberarbeiten musste, weil ich sie vor so langer Zeit gelernt habe, und zwar mit einer ganz anderen Technik, bei der vielleicht nicht alles ganz richtig war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Singt auch Lieder! Jeder Lehrer sagt das zu uns, aber es ist so wichtig, viel Liederrepertoire parat zu haben, denn sehr oft kommt es vor, dass die Leute einen bitten, ein Konzert zu singen, und daf\u00fcr muss man Repertoire haben. Am Royal Conservatoire of Scotland war es fantastisch, dass wir so viele Gesangsklassen hatten. Ich verstehe jetzt, warum wir nicht so viele Arien gesungen haben, sondern wir haben mehr Lieder gesungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hlt eure Vorsingarien sehr sorgf\u00e4ltig aus und achtet darauf, dass sie gut f\u00fcr eure Stimme sind. Wenn man ein St\u00fcck von Mozart in der Vorsing-Liste hat, werden sie h\u00f6chstwahrscheinlich danach fragen, denn Mozart zeigt eine korrekte Technik, und er ist wahrscheinlich einer der am schwierigsten zu singenden Komponisten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Achtet darauf, dass ihr alle Arien eures Vorsingrepertoires nacheinander singen k\u00f6nnt. Zeigt auch Vielfalt in eurer Auswahl, und beginnt immer mit einer Arie, mit der ihr euch absolut sicher seid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"5304\" height=\"7952\" src=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-by-Damiano-Photography.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-989\"\/><figcaption>Svetlina Stoyanova an der Wiener Staatsoper. Foto von Damiano Photography.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Heute muss man auch ein sehr guter Schauspieler sein, denn das Publikum muss einem glauben; es ist wirklich dasselbe wie im Theater. Wenn sie dir nicht glauben, langweilen sie sich, weil sie im Fernsehen immer so viel Stimulation haben. Ich sah, wie Pl\u00e1cido Domingo auf der B\u00fchne starb, und es war herzzerrei\u00dfend &#8211; es war, als ob es wahr w\u00e4re.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Was erwartest du von einem Regisseur?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir Flexibilit\u00e4t in dem Sinne, dass der Regisseur mich sehen und meine Pers\u00f6nlichkeit in die Rolle einbringen kann. Es ist hier schwierig, wenn wir Wiederaufnahmen machen, weil die Regisseure nur die Bewegungen von der Premiere proben, wie die Premiere war, und wie es f\u00fcr die Person war, die damals gesungen hat, deshalb brauche ich oft ein wenig Flexibilit\u00e4t vom Regisseur.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wenn es sich um eine Neuinszenierung handelt, braucht man ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Regisseur, der einem erlaubt, sich auszudr\u00fccken, und dem Regisseur, der einem die Richtung vorgibt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Was erwartest du von einem Dirigenten?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Man muss darauf vertrauen k\u00f6nnen, dass man immer aufgefangen wird. Auf der B\u00fchne sind die Tempi vielleicht nicht ganz die gleichen wie die, die man geprobt hat. Der Dirigent kann auch ein wenig nerv\u00f6s sein, aber der S\u00e4nger wird es auf jeden Fall sein, und es ist wichtig, dass der Dirigent f\u00fchlt, wohin die Energie und die Stimme gehen, damit er helfen kann.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Es ist auch sehr wichtig, sich klar auszudr\u00fccken. Es ist hier schwierig, weil es sich um die Wiener Philharmoniker handelt, und sie kennen das Repertoire so gut, deshalb ist es sehr schwer, Dirigent f\u00fcr dieses Orchester zu sein. Das merke ich, und man muss sehr stark sein, um dieses Orchester zu beherrschen, denn sie k\u00f6nnen auch ohne Dirigent spielen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Es gab sogar eine Situation, als sie hier zu Ostern vor einigen Jahren <em>Parsifal<\/em> spielten. Auf halbem Weg verletzte sich der Dirigent am R\u00fccken und sagte, er k\u00f6nne einfach nicht mehr dirigieren. Er lag auf dem Boden seiner Garderobe. Direktor Dominic Meyer trat ein und sagte: &#8220;Okay, was machen wir jetzt? Der Pianist, der mit den S\u00e4ngern gearbeitet hatte, war da, und er fragte ihn: &#8220;Haben Sie irgendwelche Erfahrungen als Dirigent?!\u201c Er hatte ein wenig, und so redete er mit dem Leiter des Orchesters, der sagte: &#8220;Solange er uns Hinweise geben kann, wann wir f\u00fcr die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger da sein sollten, wissen wir den Rest.\u201c Und es geschah, und sie haben es geschafft!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Wie wird die Oper in 100 Jahren aussehen? Muss sie sich ver\u00e4ndern, um relevant zu bleiben?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nun, einige der Produktionen, die wir machen, sind so alt, dass sie f\u00fcr heute schon nicht mehr so relevant sind. Einige der Inszenierungen sind kulturell unangemessen, aber ich denke, die Menschen sollten sich bewusst sein, dass viele Opern vor langer Zeit geschrieben wurden und nie mit schlechten Absichten aufgef\u00fchrt wurden. Die Musik ist sch\u00f6n und wunderbar. Mit einigen neuen Kompositionen und Inszenierungen kann alles ein wenig zu abstrakt, zu clever und musikalisch oder schauspielerisch immer noch unangemessen werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Heute muss man auch ein sehr guter Schauspieler sein, denn das Publikum muss einem glauben; es ist wirklich dasselbe wie im Theater. Wenn sie dir nicht glauben, langweilen sie sich, weil sie im Fernsehen immer so viel Stimulation haben. Ich sah, wie Pl\u00e1cido Domingo auf der B\u00fchne starb, und es war herzzerrei\u00dfend &#8211; es war, als ob es wahr w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf diese Weise unterscheidet sich die Oper schon sehr von dem, wie sie noch vor nicht allzu langer Zeit war. Und das ist es, was eine gute von einer gro\u00dfartigen Auff\u00fchrung unterscheidet &#8211; nicht nur der Gesang, sondern auch die Schauspielerei.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Viele Opernwerke sind ein Teil der Geschichte, und wir k\u00f6nnen von ihnen lernen. Nat\u00fcrlich sollte man in gewisser Weise versuchen, etwas Neues zu finden, aber man kann auch etwas Neues hinzuf\u00fcgen, indem man Dinge aus der Vergangenheit entdeckt, Dinge, die bereits geschaffen worden sind. Ich denke, man sollte nicht versuchen, die Oper zu ver\u00e4ndern und sie zu einer anderen Art von Kunst zu machen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Klassische Musik ist so gut f\u00fcr das Gehirn &#8211; es gibt so viele Studien, die das zeigen, besonders f\u00fcr Kinder. Wir haben so viele Kinderopern hier in Wien, und sie sind immer voll, und die Kinder lieben sie. Sie f\u00fchren die Kinder also wirklich von klein auf an die Oper heran und beziehen sie mit ein. Im Haupttheater gibt es derzeit auch sehr viele junge Leute.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In Bulgarien war es nicht m\u00f6glich, in der Schule Instrumente zu lernen wie in Gro\u00dfbritannien &#8211; es gab zum Beispiel nicht einmal einen Schulchor. Vor kurzem erz\u00e4hlte mir jemand, wie sie ein Experiment machte, bei dem sie, als ihr Baby noch im Mutterleib war, jeden Tag dieselbe Melodie auf dem Klavier spielte. Als das Baby geboren wurde, spielte sie diese Melodie, und die Augen des Babys leuchteten, weil es sie erkannte! Ich denke also, das ist der Weg, diese Kunst zu bewahren, denn sie ist wirklich sch\u00f6n und kann einen woanders hinbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Vielen Dank an Svetlina Stoyanova, dass sie sich die Zeit aus ihrem vollen Terminkalender genommen hat, um diese Woche mit uns zu sprechen! Mehr \u00fcber Svetlina k\u00f6nnen Sie auf ihrer Website <a href=\"https:\/\/www.svetlinastoyanova.com\/\">hier<\/a> erfahren.<\/em><\/p>\n<p><br \/>Anmerkungen und Links<\/p>\n<ol>\n<li>Eine Sitzprobe ist die erste Probe, bei der die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger mit dem Orchester zusammenkommen. Sie spielen keine der meist bereits abgeschlossenen Inszenierungen nach, sondern konzentrieren sich ausschlie\u00dflich auf die Musik und das erste Zusammensein mit dem Orchester.\u00a0<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Mehr \u00fcber die Wiener Staatsoper erfahren Sie auf deren Website <a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/\">hier<\/a>.<\/li>\n<li>Der Gesangswettbewerb <a href=\"https:\/\/neue-stimmen.de\/\"><em>Neue Stimmen<\/em><\/a> findet alle zwei Jahre statt und dient der F\u00f6rderung junger Operns\u00e4ngerinnen und Operns\u00e4nger.\u00a0<\/li>\n<li>Das <a href=\"https:\/\/www.rcs.ac.uk\/\">Royal Conservatoire of Scotland<\/a> ist Schottlands nationales Konservatorium f\u00fcr Musik, Schauspiel und vieles mehr und hat seinen Sitz in Glasgow.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bulgarische Mezzosopranistin Svetlina Stoyanova ist Solistin an der Wiener Staatsoper, wo sie in Rollen wie Rosina (Il barbiere di Siviglia), Cherubino (Le nozze di Figaro), Ro\u00dfweis\u00dfe (Die Walk\u00fcre), Tisbe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":988,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-991","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews-auf-deutsch"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - 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