{"id":821,"date":"2020-05-01T16:27:35","date_gmt":"2020-05-01T16:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.david-todd.co.uk\/?p=821"},"modified":"2020-11-14T22:39:48","modified_gmt":"2020-11-14T22:39:48","slug":"opera-with-a-hot-toddy-1-deutsche-version","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/?p=821","title":{"rendered":"Jared Ice ~ Bariton"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Jared Ice ist ein amerikanischer Bariton, der f\u00fcr viele Theater in den USA und Deutschland gearbeitet hat. Er ist auch der Gr\u00fcnder und Co-Host von dem ber\u00fchmten Podcast `Sex, Drugs and Opera\u00b4.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Deutsche \u00dcbersetzung von Sonja B\u00fchling<\/em>.<\/p>\n\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-683x1024.jpg\" alt=\"Jared Ice \" class=\"wp-image-793\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-750x1125.jpg 750w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-400x600.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-430x645.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-150x225.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ice_Jared_010_-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Oper sollte immer ernst sein, genauso wie Hollywood-Filme ernst sind. Aber es sollte auch immer die M\u00f6glichkeit geben und erlaubt sein, sich dar\u00fcber lustig zu machen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n\n\n<p><em>D: Ok, also lass uns mit einer Schnellfragerunde starten. Nenne mir einen Song, der dich auf die Tanzfl\u00e4che holen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Oh Mann, das w\u00e4re irgendetwas von `The Killers\u00b4 &#8211; Mr. Brightside zum Beispiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Was ist dein Lieblingsinstrument?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>J: Klavier oder Tuba. Ich habe jahrelang Tuba gespielt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Lieblingsoper?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: <em>Tosca<\/em>, denn es wird nicht langweilig, es flie\u00dft einfach. Der 3. Akt ist ein bisschen z\u00e4h, aber besonders der 2. Akt besteht einfach nur aus Handlung, Handlung, Handlung. Drei Charaktere und ist alles da, was Oper braucht: Intrigen, Drama, Liebe, Gewalt, es ist einfach voll gepackt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>J: Lieblingsproduktion einer Oper, die du gesehen hast?<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>J: Es ist zwar lange her, aber ich habe <em>Der fliegende Holl\u00e4nder<\/em> in Seattle gesehen, und Greer Grimsley war der Bassbariton. Auf der B\u00fchne war nur ein riesiges Schiff, und sie hatten es so gebaut, dass die B\u00fchne nach au\u00dfen [in den Zuschauerraum] ragte. Es war einfach unglaublich, dieses Erlebnis mit der Musik und Grimsley mit dieser beeindruckenden Erscheinung, die er hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Hast du eine Lieblingsproduktion, in der du mitgewirkt hast?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ehrlicherweise war das keine Oper, aber als ich in South Carolina war, haben wir ein Musical namens <em>Das Barbecu<\/em> gemacht. Es wurde in Seattle in Auftrag gegeben und es ist die Geschichte von Wagner`s Ring, wurde aber als Western Style Musical erz\u00e4hlt, also haben wir alle Cowboyh\u00fcte getragen und ich war Siegfried, der Cowboy. Der Zweck war, viele Menschen damit zu erreichen. Es war einfach nur Spa\u00df und die Zuschauer haben es geliebt: eine lustige Show.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Lieblingskomponist klassischer Musik?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich w\u00fcrde Verdi sagen. Ich kann mich selbst nur schwer abgrenzen von dem, wer die Leute waren, und ich respektiere viele Dinge bei Verdis Leben, weil das in die Musik \u00fcbergeht. Und wenn dir das einmal bewusst wird, kannst du es nicht mehr \u00fcberh\u00f6ren. Dieser Typ hatte es einfach drauf, es war ihm m\u00f6glich, in Sekunden Stimmungen einzufangen. Wenn du einen Blick auf die Noten wirfst, dann sieht die Seite so simpel aus, aber wenn die Musik erklingt, ist es so effektvoll. Bei Verdi gibt es nicht viel dick Aufgetragenes, sondern sehr viele Feinheiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Am wichtigsten- beschreib dein `Hot Toddy\u00b4 in drei Worten!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich werde einen weiteren Schluck nehmen. Leicht! Wei\u00dft du, ich k\u00f6nnte das den ganzen Sommer trinken. Sanft. Und, ich w\u00fcrde nicht warm sagen, sondern wohltuend! Sanft, leicht und wohltuend.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Ich w\u00e4re in meinem Leben mit einem \u201cwas w\u00e4re, wenn\u201d nie gl\u00fccklich geworden, und Europa ist f\u00fcr viele Musiker das gro\u00dfe \u201cwas w\u00e4re, wenn\u201d. Ich konnte das so nicht, ich konnte das nicht unversucht lassen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-1024x683.jpg\" alt=\"Opera with a Hot Toddy Tosca Jared Ice\" class=\"wp-image-794\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-750x500.jpg 750w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-430x287.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH-100x67.jpg 100w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/785A8649\u00a9UWEHAUTH.jpg 1367w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Jared als <em>Scarpia<\/em> in Puccinis<em> Tosca<\/em>. Photo von Uwe Hauth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Also du lebst nun seit fast 8 Jahren in Deutschland. Warum bist du damals nach Deutschland gegangen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich hatte mein K\u00fcnstlerdiplom abgeschlossen, war im Nordosten der Staaten als S\u00e4nger t\u00e4tig und ich hatte kein wirkliches Ziel, wo ich hingehen k\u00f6nnte. Die Menschen in meinem Umfeld haben immer \u00fcber Deutschland gesprochen, dass das DAS Land f\u00fcr Oper w\u00e4re, und ich hatte noch nie Angst davor, irgendwohin zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Bist du davor schon viel im Ausland herumgereist?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Nein, ich hatte nur diese Gelegenheit. Ich hatte f\u00fcr eine Agentin in New York gesungen und sie sagte \u201cSammle ein paar europ\u00e4ische Erfahrungen. Geh f\u00fcr 2-3 Jahre dorthin, komm zur\u00fcck und erobere die New Yorker Szene.\u201d Und so kam ich nach Deutschland und blieb dann einfach. Eigentlich sollte es zeitlich begrenzt sein. Ich wollte kommen und es mir selbst ansehen, da jeder dar\u00fcber gesprochen hatte, als w\u00e4re es der magische Ort, aber keiner ging dorthin. Ich muss mir die Dinge immer pers\u00f6nlich ansehen, also ging ich und mochte es. Ich w\u00e4re in meinem Leben mit einem \u201cwas w\u00e4re, wenn\u201d nie gl\u00fccklich geworden, und Europa ist f\u00fcr viele Musiker das gro\u00dfe \u201cwas w\u00e4re, wenn\u201d. Ich konnte das so nicht, ich konnte das nicht unversucht lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Also war es eine allgemeine Vorstellung des Ortes als ein besonderer Grund?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich hatte keinen Job, ich hatte nichts organisiert. Ich hatte nur die Zeit und ein bisschen Bargeld. Ich wollte es einfach durchziehen und sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Nun kennst du die deutsche und die amerikanische Opernszene ganz gut. Was k\u00f6nnte die amerikanische Szene von der deutschen Szene lernen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Es liegt definitiv eine St\u00e4rke darin, manchmal mehr Leistungen auf kleinerem Niveau [kleinere Produktionen] zu machen. In den USA sind die Theater fast immer f\u00fcr 3000 Zuschauer ausgelegt und entweder du bist in einer dieser gro\u00dfen Produktionen oder du singst in einer Bar mit Klavier, wo du dein eigenes Kost\u00fcm tr\u00e4gst. Dazwischen gibt es nichts. Eine weitere St\u00e4rke ist, keine Angst davor zu haben, etwas zu wagen. In Deutschland gibt es die Unterst\u00fctzung von der Regierung, daher ist dein Geld sicher und ich denke, dass der Mut darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Deutsche H\u00e4user haben keine Hemmungen, etwas Neues mit etwas Altem zu machen oder ein neues St\u00fcck zu wagen. In Amerika geht es viel mehr darum, den Sponsoren und dem Publikum gefallen zu wollen, was wahrscheinlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, weil von ihnen das Geld kommt. Wenn es also einen Weg geben w\u00fcrde, es authentischer zu gestalten, anstatt gefallen zu wollen, w\u00e4re das eine St\u00e4rke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Hast du den Eindruck gewonnen, dass die deutschen Zuschauer mehr Interesse an ungew\u00f6hnlichen St\u00fccken oder Produktionen haben?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Sie sind demgegen\u00fcber offen, es anzunehmen. Ich denke, dass diese Dinge in Amerika auch geschehen, allerdings m\u00fcssen die neuen Werke oft mit einer Art sozialen Botschaft verbunden sein, wohingegen in Deutschland neue Werke oftmals auf einem Buch basieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, in Amerika sind viele Dinge, k\u00fcnstlerisch und politisch, abh\u00e4ngig von einer Finanzierung, und wenn du eine Chance willst, deine Arbeit zu pr\u00e4sentieren, musst du eine Gruppe finden, die in dich investiert. Ich glaube auch, dass das amerikanische Denken eher gemeinschaftlich gepr\u00e4gt ist. Die Leute interessiert es beispielsweise \u201ewem geh\u00f6rt das\u201c. Die deutsche Denkweise ist nicht so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Was w\u00fcrdest du einem jungen amerikanischen S\u00e4nger raten, der dar\u00fcber nachdenkt, nach Europa zu gehen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Hab\u00b4 einen Weg, hab\u00b4 ein Ziel, je offener du gegen\u00fcber den verschiedenen Wegen, wie eine Karriere passieren kann, eingestellt bist, desto eher wird es passieren, und um so gl\u00fccklicher wirst du sein, es tun zu k\u00f6nnen. Viele S\u00e4nger kommen hier her\u00fcber und denken \u201eich brauche ein `Young Artist Programm\u00b4, ich brauche eine Festanstellung in diesem Fach\u201c, und je mehr du dar\u00fcber nachdenken kannst \u201evielleicht Chor, vielleicht bisschen Musical, vielleicht mein eigenes Projekt\u201c, desto eher wirst du deinen eigenen Weg finden und du wirst stets \u00fcberrascht sein, wie manches, das ohne Bezug erscheint, dich zu dem zur\u00fcckf\u00fchren und leiten kann, wo du sein m\u00f6chtest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Ich w\u00fcrde gerne das Thema Festanstellung vs. Arbeiten als Selbstst\u00e4ndiger ansprechen. Glaubst du, dass das eine besser als das andere ist, und was ist deine pers\u00f6nliche Erfahrung damit?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich habe in den vergangenen acht Jahren haupts\u00e4chlich als Gast an den Theatern gearbeitet. Ich hatte lediglich einmal eine Festanstellung und da gibt es Pros und Kontras. In der aktuellen Lage angesichts der Absagen aufgrund des Coronavirus ist es nat\u00fcrlich besser, eine Festanstellung in dieser Zeit zu haben. Ich habe in diesem Monat drei Shows verloren, und das ist eine Menge Geld, das man mit einer K\u00fcndigungsfrist von vier Tagen verlieren kann. Es geht dabei zum einen um den finanziellen Aspekt, zum anderen aber auch um Themen wie Krankenversicherung und auch darum, wie die Umst\u00e4nde in deinem Leben sind und du allgemein als Mensch bist. Ich habe es immer genossen, gastieren zu gehen, da ich ein Projekttyp bin, aber ich kann mir vorstellen, dass ich, wenn ich ein Familie h\u00e4tte, meine Zeit mit ihr verbringen w\u00fcrde, da w\u00e4re eine Festanstellung wahrscheinlich einfacher. Es geht mehr darum, beidem gegen\u00fcber offen eingestellt zu sein und zu sehen, was f\u00fcr dich\/ dein Leben passt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Glaubst du, dass es einen k\u00fcnstlerischen Unterschied zwischen den beiden gibt?<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>J: Ja, ich finde, dass man bei einer Festanstellung oft \u00fcberlastet ist. Du hast so viel zu tun, dass du gar nicht so richtig eintauchen kannst. Du hast unz\u00e4hlige Vorstellungen, daf\u00fcr baut man Konsistenz und St\u00e4rke auf und nur durch die Wiederholungen der Vorstellungen kann man die Schattierungen und Farben herausarbeiten, aber ganz oft ist das nicht so erf\u00fcllend wie Gastieren es sein kann, wo du \u00fcber sieben oder acht Monate mit dem St\u00fcck lebst und du deinen eigenen Rhythmus hast, das St\u00fcck aufzubauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Findest du es schwer, dich zu disziplinieren, wenn du gerade nicht so viel zu tun hast?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich finde es leicht, weil ich herausgefunden habe, was f\u00fcr mich funktioniert. Aber es ist definitiv schwerer, da du selbstst\u00e4ndig deine Zeit einteilen musst und dich f\u00fcr Tag 1 der Proben alleine vorbereiten musst. Das ist immer eine Herausforderung. Du musst ehrlich dir gegen\u00fcber sein, mit deinen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, und herausfinden, was f\u00fcr dich funktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-1024x683.png\" alt=\"Jared Ice Matthus Opera with a Hot Toddy \" class=\"wp-image-799\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-1024x683.png 1024w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-300x200.png 300w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-768x512.png 768w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-1536x1024.png 1536w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-750x500.png 750w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-400x267.png 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-430x287.png 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-150x100.png 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf-100x67.png 100w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/dsfsdf.png 1728w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Jared als Faal in A Bad Man&#8217;s Life, eine Oper von Frank Matthus. Photo von Uwe Hauth<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Was sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen in Deutschland, als Operns\u00e4nger zu arbeiten?<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>J: Ich denke, es ist wie bei jedem anderen Job, bei dem man, sagen wir, als Polizist nicht wei\u00df, wie viel Papierkram man macht. Ich denke, wenn man schauspielern und singen kann, dann hat man eine Karriere; ich habe nur ein paar wenige S\u00e4nger erlebt, dessen Karriere geendet hat, da sie nicht gut genug gespielt oder gesungen haben. Das Leben eines Musikers ist der h\u00e4rteste Part. Die Realit\u00e4t, ein K\u00fcnstler zu sein und seinen Lebensunterhalt mit etwas zu bestreiten, das so viel emotionale Energie und Zeit erfordert, wird immer schwieriger, je weiter man im Leben voranschreitet. Du hast vielleicht eine Familie und Kinder, oder allgemeiner gesprochen, es gibt einen h\u00f6heren k\u00f6rperlichen Tribut \u2013 ich bin 32 Jahre alt und ich merke, dass es zunehmend h\u00e4rter wird, eine Vorstellung bis 23 Uhr zu machen und am n\u00e4chsten Tag wieder fr\u00fch aufzustehen, um zu proben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist keine einfache Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ebenso ist das Leben kein einfaches; als ich j\u00fcnger war und in einer Rockband spielte, war es richtig cool, ein Musiker zu sein, und ich denke, dass viele Musiker Tr\u00e4umer sind- sie wollen etwas Gr\u00f6\u00dferes. Wenn du aber mal die 30er erreicht hast, heiraten deine Freunde um dich herum, bekommen Jobs als Banker oder Berater, kaufen H\u00e4user, Autos oder finden Investitionsm\u00f6glichkeiten, und du bist damit besch\u00e4ftigt, einfach nur zu singen. Ich denke, dass es immer schwieriger wird, seinen Weg zu finden. Wenn du eine Familie hast, wirst du vieles verpassen, und wenn es nur ist, dass du deinen Partner abends alleine Netflix schauend zur\u00fccklassen musst. Man arbeitet samstags und sonntags und irgendwann erreichst du einen Punkt und stellst fest, dass das nicht nur vor\u00fcbergehend ist. Du hast nicht nur f\u00fcnf Tage Arbeit und dann Wochenende, das zehrt an einem. Eine andere Herausforderung ist zu wissen, wann man `nein\u00b4 sagen muss. Das ist schwer zu lernen und ich habe gemerkt, dass ich damit zu k\u00e4mpfen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Was ist dann die andere Seite der Medaille, warum machst du weiter?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich habe ein paarmal versucht aufzugeben, aber ich kann es einfach nicht! Ich mache lieber weiter und habe daf\u00fcr weniger von den anderen, materialistischen Dingen, denn es ist mein Leben. Ich habe damit begonnen, als ich f\u00fcnf Jahre alt war, und ich muss es einfach tun. Deswegen gibt es f\u00fcr mich keine Wahl, und es lohnt sich! Wenn es mal hart ist, dann ist es hart, und wenn es gut l\u00e4uft, dann ist es extrem erf\u00fcllend. Und genau dieses Spektrum ist der Grund, warum ich es tue, denn die meisten Jobs sind gerade mal zu 20% erf\u00fcllend, und die Schwierigkeiten liegen bei \u2013 20 %. F\u00fcr uns ist es 100-100.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Dem stimme ich voll und ganz zu. Ich pers\u00f6nlich brauche nur einen dieser erf\u00fcllenden Momente im Monat und das reicht mir, um die schlechten Momente wettzumachen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ja, und ich mag es, Besitzer \u00fcber das zu sein, was ich geschaffen habe. Ich besitze das, was ich als S\u00e4nger erreicht habe, wohingegen, wenn du f\u00fcr ein Unternehmen arbeitest, dann bist du lediglich ein kleiner Pixel, wie bei einem Fernsehbildschirm. Damit konnte ich noch nie gut umgehen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Die Zauberfl\u00f6te ist teilweise ziemlich lustig und die Leute genie\u00dfen das&#8230;wenn man sich <em>Cosi fan tutte<\/em> von Mozart oder ein paar Donizetti-Opern ansieht, dann sind die wie Sitcoms, nur ohne eingespielte Lacher.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>D: Lass uns \u00fcber den Podcast reden. Du betreibst zusammen mit dem Tenor Michael Pegher den ber\u00fchmten Podcast `Sex, Drugs and Opera\u00b4. Warum habt ihr damit begonnen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ich habe damit begonnen, da ich mich daran zur\u00fcckerinnert habe, als der Operndirektor Speight Jenkins damals in Seattle einen Vortrag gehalten hat. Ich war ungef\u00e4hr 20\/21 und er sagte bei diesem Vortrag: \u201cEines der tragischsten Dinge ist, dass einige der besten Stimmen der Welt nie geh\u00f6rt werden, weil sie zu fr\u00fch aufgeben.\u201c Vor allem, wenn du eher eine dramatische Stimme hast, muss man f\u00fcr viele Leute warten, bis man 35 ist, um anzufangen. Doch was machst du, bis du 35 bist? Ich habe meinen ersten Scarpia [in <em>Tosca<\/em> von Puccini] gesungen, als ich 26 war, was viel zu fr\u00fch war. Wir hatten 12 Vorstellungen mit gro\u00dfem Orchester. Danach wurde ich gefragt, den Graf Walter in <em>Luisa Miller<\/em> in Deutschland zu singen, was auch eine gro\u00dfe Verdi-Rolle ist. So wurde ich immer fr\u00fcher und fr\u00fcher angefragt, gr\u00f6\u00dfere und gr\u00f6\u00dfere Rollen zu \u00fcbernehmen. Ich hatte, wie bereits erw\u00e4hnt, M\u00fche, nein zu sagen, und meine Stimme fing an, sich auf schlechte Weise zu ver\u00e4ndern. Ich dachte, ich m\u00fcsste meine Zeit mit etwas Kreativem und Opernm\u00e4\u00dfigem f\u00fcllen, also habe ich mit 29 mit dem Podcast begonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist mir aufgefallen, dass die Menschen zu dieser Zeit nicht so \u00fcber Oper sprachen, wie ich es getan habe. Meine Freunde und ich sprachen \u00fcber Oper ohne jegliche Haltung, wo wir einfach sagen konnten \u201edas war verdammt gut\u201c, und diese Stimmen gab es da drau\u00dfen noch nicht. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass es wichtig war, dass es sie gab, egal wie klein oder gro\u00df sie waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: W\u00fcrdest du sagen, dass das eine Reaktion darauf war, weil Oper manchmal zu ernst genommen wird?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Ja. Oper sollte immer ernst sein, genauso wie Hollywood-Filme ernst sind. Aber es sollte auch immer die M\u00f6glichkeit geben und erlaubt sein, sich dar\u00fcber lustig zu machen. <em>Die Zauberfl\u00f6te<\/em> ist teilweise ziemlich lustig und die Leute genie\u00dfen das. Und auch bei Verdi wurden politische Figuren kommentiert, nur heute nimmt man alles so ernst. Man k\u00f6nnte einen schl\u00fcpfrigen College-Film aus einer Oper machen, so eine Art Will-Ferrell-Film. Die Zauberfl\u00f6te ist teilweise auch etwas verdorben und manchmal etwas \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>D: Erz\u00e4hl uns was \u00fcber die Mini-Opern, die du als Teil des Podcasts komponiert und produziert hast. Ich denke, dass die sehr bahnbrechend sind.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J: Heutzutage machen alle so ernsthafte Sachen, aber wenn man sich <em>Cosi fan tutte<\/em> von Mozart oder ein paar Donizetti-Opern ansieht, dann sind die wie Sitcoms, nur ohne eingespielte Lacher. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass niemand sich getraut hat, etwas Dumm-lustiges zu schreiben, das mit klassischer Musik orchestriert ist und klassisch gesungen wird, aber dennoch albern, aktuell und relevant ist. Das wollte ich auch, und all diese Dinge f\u00fchrten dazu, dass ich die Mini-Opern als Plattform f\u00fcr meine kreativen Impulse schuf, weil ich diese Stimme nach au\u00dfen bringen wollte, aber auch meine Zeit mit einem kreativen Projekt f\u00fcllen, bei dem ich die Kontrolle dar\u00fcber habe, wie ich meine Stimme einsetze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Ziel ist immer, die englische Aussprache so nah wie m\u00f6glich am Gesprochenen zu halten, deshalb verwenden wir nicht die englische S\u00e4ngeraussprache, denn wir m\u00f6chten, dass es nachempfindbar ist. Ich denke, dass die \u00dcberartikulation der Sprache eines der Dinge ist, warum Menschen, die keine Oper h\u00f6ren, es befremdlich finden. Die Art des Singens und die Aussprache hat absolut nichts mit der Art zu sprechen gemein. Die Worte, die wir verwenden, reimen sich auch selten, es sei denn, es geht darum, einen Witz zu machen, und sie sollen Inhalte f\u00fcr soziale Medien sein. Ein Instagram-Post betr\u00e4gt maximal 60 Sekunden, deswegen sind unsere Posts alle 59 Sekunden lang oder k\u00fcrzer, denn Instagram ist die Plattform, die wir mit einem Take nutzen wollen. Unsere Beitr\u00e4ge sind als Opern-Memes zu verstehen; du sollst sofort erfassen k\u00f6nnen, um was es geht. Es gibt keine Hierarchie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-1024x768.jpg\" alt=\"Jared Ice Michael Pegher Opera with a Hot Toddy\" class=\"wp-image-803\" srcset=\"https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-750x563.jpg 750w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-430x323.jpg 430w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1-100x75.jpg 100w, https:\/\/www.david-todd.co.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SDAO-photo-1-1.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Jared mit Co-Gastgeber von Sex, Drugs and Opera, Michael Pegher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>D: Und wenn du die Musik komponierst, ist dir die Geschichte wichtig?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>J: Die Geschichte ist alles! Ich m\u00f6chte eine Stimmung erzeugen: ist das lustig, be\u00e4ngstigend, sarkastisch? Und dann m\u00f6chte ich, dass das Geschichteerz\u00e4hlen beginnt. Ich m\u00f6chte, dass die Opernstimme benutzt wird, aber sie soll Raum haben, dass sie so funktioniert, wie sie es braucht. Manchmal ben\u00f6tig die Opernstimme Pr\u00e4zision oder Raum, und so versuche ich, ihr viel Raum zu geben. Ich denke, mein Stil ist entweder Pr\u00e4zision oder ungest\u00fcme Freiheit, nicht viel dazwischen!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>D: Um zu dir als Darsteller zur\u00fcckzugehen, was brauchst du von einem Dirigenten?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>J: Oh, das ist eine interessante Frage! Bei einem Dirigenten mag ich nicht so gern, wenn es nur richtig oder falsch gibt, sondern eher ein Ausprobieren, was funktionieren k\u00f6nnte. Die besten Dirigenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben mich um etwas gebeten, und wenn ich gesagt habe \u201eich kann das machen, aber es funktioniert nicht wirklich gut\u201c, dann haben sie geantwortet, \u201elass uns etwas anderes ausprobieren.\u201c Die Dirigenten, mit denen ich am liebsten zusammenarbeite, versuchen nicht, ihre Idee durchzuboxen; sie sind offen f\u00fcr eine Zusammenarbeit. Sie dr\u00e4ngen dich, etwas zu tun, wenn sie wissen, dass du es kannst, aber sie werden dich nicht in eine Schublade zw\u00e4ngen, wenn du also eine tiefe [schwere] Stimme hast, werden sie dich nicht zwingen zu schweben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Stattdessen finden sie etwas, das sich eher auf die Zuschauer \u00fcbertr\u00e4gt, denn das Publikum wei\u00df die meiste Zeit nicht, wie sein soll. Die meisten bekommen lediglich einen Eindruck, um was es in der Geschichte geht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die besten Entscheidungen von Dirigenten sind entweder emotional gesteuert oder musikalisch begr\u00fcndet. Die sagen vielleicht \u201edein Rhythmus muss hier genau sein, denn wir brauchen das, um zu tanzen. Es muss hier tanzen, weil wir hier die Leichtigkeit ben\u00f6tigen, ansonsten w\u00e4re es nicht lustig.\u201c Das Optimum ist erreicht, wenn sie eine gute Vorstellung hinlegen wollen, die die Menschen als Resultat die Menschen ber\u00fchrt, und nicht als Museumsst\u00fcck erreicht. Nicht wie bei Guitar Hero \u2013 \u201ewie viele Noten hast du richtig\u201c, aber \u201ehat es dich ber\u00fchrt?\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>D: Was ist mit Regisseuren? Wonach suchst du bei denen?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>J: \u00c4hnliche Antwort, denke ich. Ich mag es nicht, wenn ein Regisseur kommt und er nur sein Konzept akzeptiert und du sollst dich einfach nur unterwerfen und machen, aber ich mag es auch nicht, wenn ein Regisseur sagt \u201ebiete mal was an\u201c.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>D: Also irgendwo in der Mitte?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>J: Ja, etwas mit Zusammenarbeit. Ich m\u00f6chte, dass sie da sind, um meine L\u00fccken zu f\u00fcllen, denn ich muss spielen und habe k\u00fcnstlerische Impulse als Darsteller, aber ich kann mich selbst nicht sehen, und oft kenne ich auch die Geschichte des St\u00fcckes nicht so gut, wie sie sie kennen. Sie m\u00fcssen meine L\u00fccken f\u00fcllen und meine St\u00e4rken erkennen, indem sie das nutzen, was sie haben, um die Geschichte zu erz\u00e4hlen, anstatt das, was sie sich w\u00fcnschen, dass sie gerne h\u00e4tten. So ist das in Deutschland gr\u00f6\u00dftenteils, wenn ich deutsch spreche, da ich einen amerikanischen Akzent habe. Es ist nun mal so. Als Regisseur kannst du dich entweder dar\u00fcber \u00e4rgern und dir w\u00fcnschen, dass ich ein Deutscher w\u00e4re, oder du kannst meine Figur international werden lassen, mit nur einem Satz! Du k\u00f6nntest eine andere Figur z.B. sagen lassen \u201eBist du schon zur\u00fcck aus Amerika?\u201c Irgendwie so etwas. Oder wenn man mich nicht zwingt, in Dialekt zu sprechen. Ich w\u00fcnsche mir jemanden, der sachkundig und kooperativ ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>D: Zum Schluss, was ist die Zukunft der Oper? In hundert Jahren, denkst du, dass es immer noch so ist wie heute?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>J: Das ist schwer zu sagen. Ich denke, Musik im Allgemeinen wird sehr digital werden und sogar interaktiv. Ich denke, die Zukunft von Filmen, Musik und CGI wird so aussehen, dass man sich vor seinen Smart-TV setzt und sagt \u201eich m\u00f6chte einen Action-Horror-Film mit Bruce Willis sehen, mit seinem Alter aus 1995, mit Musik wie von Hans Zimmer\u201c and dann wird der Fernseher f\u00fcr dich diesen Film schreiben und die Musik. Das h\u00f6rt sich sehr sciencefiction-m\u00e4\u00dfig an, aber wenn man sich die \u201aDeep Fakes\u2019 und die Musik ansieht, die Computer schon im Moment schreiben k\u00f6nnen, ist es sehr gut m\u00f6glich, dass das die neue Normalit\u00e4t sein wird. Wenn das die Welt ist, wo wird dann die Oper ihren Platz in dieser Welt haben?\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ich denke, wenn Oper in 100 Jahren immer noch existiert, dann werden die Menschen zur\u00fcckkommen, denn sie tr\u00e4gt etwas in sich, wodurch sie schon sehr lange \u00fcberlebt hat. Ich denke nicht, dass die Oper sich gro\u00dfartig ver\u00e4ndern muss. Sie muss flexibel sein, digital und mit den Trends gehen, aber entweder muss die Oper sich zu etwas Neuem ver\u00e4ndern oder sich einfach \u00f6ffnen und die Menschen heranlassen. Ich glaube nicht, dass Oper jemals ein Problem mit sich selbst hatte, sondern eher damit, dass sie Leute ausschlie\u00dft. Die Menschen wissen oft nichts dar\u00fcber und wo sie hingehen sollen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Verdi hat fr\u00fcher von dem \u201cGoldenen Faden\u201d in der Oper gesprochen, und was auch immer das Unbeschreibliche ist, das muss es auch weiterhin tun. Es muss entweder etwas Neues werden, was du mit Oper nicht in Verbindung bringen w\u00fcrdest, oder es muss lernen, stolz zu sein auf das, was es ist, und aufh\u00f6ren zu versuchen, ein Marvel-Film zu sein und \u201ecool\u201c wirken zu wollen. Diese Met-\u00dcbertragungen in Kinos\u00e4len sind eine gute Richtung. Was wir in unserem Podcast machen, ist auch eine gute Richtung. Ich denke, die Menschen wollen Authentizit\u00e4t geliefert bekommen und dass die Oper treu und stolz ist auf das, was sie tut, ist die einzige Chance, die sie hat. Das ist ihre Zukunft.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Vielen Dank an Bariton Jared Ice f\u00fcr das Interview dieser Woche. Ihr findet seinen Podcast `Sex, Drugs and Opera\u00b4 auf allen guten Podcast Plattformen und klickt auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JKbcT_Tf6Lo\">den Link<\/a>, um seine neueste Mini-Oper mit seinem Co-Gastgeber Michael Pegher anzusehen, inklusive einer stummen Rolle von einem anderen bekannten Gesicht.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Weitere Links<\/p>\n<p>Jareds Website: <a href=\"https:\/\/www.jared-ice.com\/media\">Link<\/a><\/p>\n<p>Sex, Drugs and Opera: <a href=\"https:\/\/sexdrugsandopera.com\/\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jared Ice ist ein amerikanischer Bariton, der f\u00fcr viele Theater in den USA und Deutschland gearbeitet hat. 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